Hintergrundinfos

Wir teilen hier gerne Hintergrundinformationen sowie persönliche Meinungen und Gedanken zu unserer Tierschutzarbeit in Ungarn mit Euch.

Von Ungarn in die Schweiz

Wie läuft das genau ab, bis ein Hund durch unseren Verein aus Ungarn in die Schweiz kommt? Wie kommen die Hunde auf unseren Hof in Ungarn und was geschieht danach? Was gibt es alles zu tun, durch Madeleine Eisenhut und Claudia Gale in Ungarn, durch das Team in der Schweizer, bis Adoptanten ihr neues Familienmitglied in die Arme schliessen können? Dies möchten wir hier ein wenig aufzeigen.

Viele unserer Hunde kommen nicht von der Strasse, sondern aus anderen Tierheimen oder von Privatpersonen. Besitzer verstorben, Besitzer kann / möchte den Hund nicht mehr behalten, Hund entweicht ständig und kann deshalb nicht beim Besitzer bleiben…. so in etwa können die Geschichten sein. Wenn wir einen Hund aufnehmen können und dieser zu uns gebracht wird, so übernehmen wir die Kosten des Transports innerhalb Ungarns. Dieser Transport muss natürlich organisiert werden, was oft schon mit einem gewissen Aufwand verbunden ist.

Wenn der Hund ankommt, wird der Pass kontrolliert, der Hund wird gleich zum ersten Mal entwurmt und möglichst rasch gemessen und gewogen. In den ersten Tagen kommt ein Hund immer alleine in ein Gehege (ausser natürlich, er kommt schon mit einem «Kumpel» zusammen zu uns), vor allem, um Krankheiten ausschliessen zu können. Dann aber auch für eine erste Einschätzung und Madeleine macht sich dann immer viele Gedanken, welche «Wohngemeinschaft» am besten funktionieren könnte. Ziel ist auf natürlich auf jeden Fall, dass der Hund nach einigen Tagen mit mindestens einem Artgenossen das Gehege teilen kann. Gleich von Anfang an sind Madeleine und Claudia auch sehr bemüht, Fotos und Videos zu machen, damit wir auf unserer Homepage, Facebook und Instagram informieren und «Werbung» machen können.

Wenn der Hund ein wenig angekommen ist beginnt das Training, einerseits mit unserem Trainer Tibor und andererseits in den Alltag integriert mit Madeleine und Claudia. Halsband und Gstältli anziehen, Leine laufen, sich anfassen lassen, Auto fahren, etc. etc. Dann bringt man den Hund mit verschiedenen anderen Hunden zusammen, um einen Eindruck zu bekommen, wie die Verträglichkeit mit Rüden und Hündinnen ist. Bei alledem beobachten Madeleine, Claudia und Tibor den Hund natürlich sehr genau, tauschen sich aus, machen sich Gedanken über sein Wesen und Charakterzüge, die für die Vermittlung relevant sind. Aufgrund dieser Beobachtungen und Einschätzungen wird dann ein möglichst passender Text für die Inserate und die Homepage formuliert. Wir bemühen uns sehr, unsere Hunde möglichst gut einschätzen und entsprechend ausschreiben zu können. Oft muss aber der Text auch wieder überarbeitet werden, da sich Verhalten und Einschätzung nach einiger Zeit verändern können.

Gleichzeitig beginnt der «medizinische Countdown», der auch hinsichtlich der Ausreise wichtig ist. SNAP4-Bluttest, Kombiimpfung, Tollwutimpfung, Kastration. Das muss zeitlich gut koordiniert werden und verlangt Madeleine und unseren Tierärzten einiges an Zeit und Flexibilität ab! Das Team vor Ort und die Tierärzte beurteilen natürlich auch den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes; wenn irgendein Verdacht besteht werden weitere Abklärungen wie z.B. grosses Blutbild oder Röntgenaufnahmen gemacht. Ebenfalls wird durch den Tierarzt ein EU-Pass ausgestellt. Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit unseren Tierärzten, was natürlich sehr wichtig ist.

Manche Hunde kommen zu uns auch in einem Zustand, der ein Baden und Scheren / Entfilzen notwendig macht. Zum Glück haben wir eine sehr liebe Hundecoiffeuse, die zu uns auf den Hof kommt.

Parallel zu dieser Arbeit «direkt am Hund» läuft die «administrative Schiene». Wie sind die Daten der nächsten Transporte in die Schweiz? Hat es Platz auf diesem Transport und wenn ja, für wie viele Hunde? Wann ist ein Hund aufgrund der Impfungen / Kastration reisefertig? Geht das alles zeitlich auf? Unzählige Telefone, Mails und SMS-Nachrichten.

Dann die Frage, kann der Hund direkt zu seinen Adoptanten reisen – im besten Fall sind in der Schweiz schon Anfragen gekommen, Telefone geführt, eine Vorkontrolle gemacht worden. Oder aber: Haben wir eine passende Pflegestelle in der Schweiz, die den Hund ab Datum des Transports aufnehmen könnte? Sowohl bei Pflegestellen wie auch bei Direktadoptanten muss beim zuständigen kantonalen Veterinäramt eine Bewilligung zur Einreise angefragt werden – eine sogenannte «Traces-Nummer». Diese Traces-Nummer brauchen dann wiederum die ungarische Amtstierärztin und das Transport-Unternehmen, um die offiziellen Papiere für die Ausreise und die Zollpapiere ausstellen zu können. Das heisst, all dies muss untereinander kommuniziert und koordiniert werden und ein oder zwei Tage vor Abreise kommt die ungarische Amtstierärztin auf den Hof, bringt die Papiere mit und kontrolliert die Hunde nochmals vor Ort. In der Schweiz kommt eine Tierärztin zur Ankunft der Hunde, um die Registrierung bei der Schweizer Datenbank Amicus vorzunehmen.

Ja, und dann ist er endlich da, der grosse Tag, wo Madeleine und Team die Hunde auf Hof Rafael in den Transporter verladen und diese am nächsten Morgen in der Schweiz in freudiger Erwartung von Adoptanten, Pflegestellen und Teammitgliedern empfangen werden. Immer sehr emotionale Momente und man wünscht den Hunden einfach nur das Allerbeste auf ihrer Reise in ein neues Leben und in ein hoffentlich perfektes Fürimmer-Zuhause. Dafür, dass Happyends für die Hunde möglich werden, geben wir alles. Und da steckt schon einiges an Arbeit dahinter, mal noch ganz abgesehen vom Alltag des Fütterns, Putzens und Versorgens der Hunde. Mit den Hunden schmusen, spazieren gehen und spielen – das ist das «Sahnehäubchen» der ganzen Geschichte. Es ist uns aber wichtig aufzuzeigen, dass da einiges mehr dahintersteckt.

Und nicht zu vergessen auch – nach dem Transport in die Schweiz ist vor dem Transport! Denn kaum sind die Hunde abgereist machen sie Platz für die nächsten, die in der Regel schon sehr bald auf dem Hof ankommen. Und dann beginnt der ganze Ablauf wieder von vorne. 

Lernen im Alltag

Über die Arbeit unseres Hundetrainers Tibor mit den Hunden und über den Hintergrund dieser Trainings haben wir schon an anderer Stelle berichtet. Daneben gibt es aber auch eine Form des Lernens für die Hunde, die etwas weniger «spektakulär», aber mindestens ebenso wichtig ist und die permanent im Alltag stattfindet. Was meinen wir damit?
 
Unsere Hunde leben in grosszügigen Ausläufen und nehmen so oft wie irgend möglich am Alltag von Madeleine und Claudia teil. Das heisst, sie erleben Dinge wie Rasenmähen, Staubsaugen, den Hof mit dem Besen wischen, etc. etc. Regelmässig kommen Besucher vorbei, Frauen, Männer, manchmal auch Kinder. So machen die Hunde positive Erfahrungen mit unterschiedlichen Menschen. Mit Madeleine dürfen sie auch immer mal wieder ins Haus oder ins Futterlager, so dass sie auch Innenräume kennen lernen.
Integriert im Alltag werden die Hunde regelmässig ganz bewusst und an verschiedenen Körperstellen angefasst. Mal wird eine Pfote hochgehoben und kontrolliert, mal schaut man ihnen ins Maul und mal werden sie auch kurz festgehalten. Wir finden es sehr wichtig, dass Hunde dies kennen und dass sie es auf eine freundliche, positive und klare Art lernen durften. Auch beim Fressen wird ein Hund mal angefasst und es wird auch in den Napf gegriffen – könnte ja sein, dass man ihm später einmal unbedingt etwas wegnehmen muss, das er nicht fressen sollte. Deshalb werden auch solche Dinge geübt.
 
Gleich neben unserem Hof ist eine gut befahrene Strasse (Strassenlärm…) und auf der anderen Seite, ebenfalls angrenzend an unser Gelände, befindet sich eine Weide, wo oft Kühe grasen. Auch diese «grossen Tiere» lernen unsere Hunde daher kennen!
 
Wenn Madeleine oder Claudia zum Einkaufen fahren, dann ist fast immer mindestens ein Hund dabei. Jede Gelegenheit wird genutzt, um die Hunde auch ans Autofahren und an Eindrücke ausserhalb des Hofs zu gewöhnen. Gerade Claudia nimmt die Hunde regelmässig mit auf ausgedehntere Spaziergänge. Das heisst also, Geschirr anziehen, Laufen an der Leine, das kennen alle unsere Hunde bereits. Vielleicht noch nicht grad im perfekten «Fuss», aber zumindest so, dass der neue Besitzer gut darauf aufbauen kann.
 
So geben Madeleine und Claudia den Hunden aktiv ganz viel wichtiges «Rüstzeug» mit in ihr «Erfahrungs-Rucksäcklein». Wenn sie dann in die Schweiz reisen dürfen und sich dort als Familienhunde in den Schweizer Alltag integrieren sollen, so hilft das den Hunden enorm und erleichtert hoffentlich auch den Adoptanten den Start mit ihrem neuen Familienmitglied ein wenig.

Getrennt oder zusammen?

Schon öfters sind Hunde zur Vermittlung zu uns gekommen, die ihr ganzes bisheriges Leben mit einem Geschwisterteil oder einem anderen Hundekumpel zusammen gelebt haben. Oberflächlich betrachtet denkt man da natürlich gleich: Die müssen doch unbedingt zusammen bleiben! Unsere Erfahrung zeigt aber, dass das nicht zwingend so sein muss.

Ein Beispiel haben wir aktuell grad auf dem Hof: Unsere fünfjährige Finja ist zusammen mit ihrer Schwester Folti zu uns gekommen. Folti war da schon praktisch vermittelt und wurde nach wenigen Tagen bei uns abgeholt. Finja zeigte sich zu Beginn etwas zurückhaltend, ein wenig «im Schatten» ihrer sehr offenen Schwester. Nach einigen Tagen ohne ihre Schwester taute aber auch Finja zusehends auf und zeigte uns Facetten ihrer Persönlichkeit, die wir vorher so gar nicht wahrnehmen konnten. Finja steht jetzt mit ihren kurzen Beinchen ganz fest im Leben, hat eine fröhliche und gleichzeitig in sich ruhende Ausstrahlung. Und durch ihre gestandene und sehr soziale Art hat sie sich sogar zu einer richtigen Therapiehündin für den noch etwas scheuen Piran entwickelt.

Ein anderes Beispiel sind die Brüder Frodo und Ares, die rund 7 Jahre zusammen auf einem ungarischen Hof gelebt hatten – sich aber nicht wirklich gut verstanden, sondern wohl eher eine “Zweckgemeinschaft” führten. Sie wurden letztes Jahr getrennt in der Schweiz vermittelt und sind nun beide in ihren jeweiligen Familien absolut geliebte Familienhunde, die ein rundum glückliches Leben führen.

Bei Sina und Charly (heute Viva und León), deren Geschichte unter “Happyends” zu finden ist, hatten wir uns den Entscheid «getrennt oder zusammen» auch alles andere als einfach gemacht. Madeleine und Claudia haben mehrmals hin und her geschwankt, die beiden beobachtet, über die Wochen hinweg, bis sie schliesslich zum Entscheid “zusammen” kamen. Und hier passt das “Zusammen”.

Und die Moral von der Geschichte? Es ist nicht immer alles so einfach und offensichtlich, wie man so auf die Schnelle gedacht denken würde… Viele dieser Hunde haben in einer “Zweckgemeinschaft” auf der Strasse oder einem Hof zusammen gelebt und hatten gar keine andere Wahl. In den meisten Fällen beobachten wir, wie  die Hunde richtig aufblühen wenn sie getrennt werden und, wie aktuell bei Finja, Seiten ihrer Persönlichkeit zum Vorschein kommen, die sie vorher gar nicht leben konnten. Zwei Mal hinsehen, beobachten, abwägen und überlegen lohnt sich also definitiv – zum Wohle der Hunde!

Agility für Tierheimhunde?

Wieso Tierheimhunde denn lernen «müssen» über Agility-Geräte zu gehen, werden wir immer mal wieder gefragt. Nun, da steckt eine ganze Anzahl von Überlegungen dahinter. Ganz bestimmt ist aber NICHT der Grund, dass die Hunde dann möglichst rasch in der Schweiz ins Agility-Training einsteigen können!

Also, worum geht es uns?

  • Zuerst mal ganz simpel: Das Training bietet den Hunden eine Abwechslung im Tierheim-Alltag
  • Sie lernen verschiedene Untergründe kennen.
  • Hunde, die noch nie zuvor etwas gemeinsam mit dem Menschen unternommen haben, dürfen erleben, dass das Spass macht. Und es gibt sogar Streicheleinheiten und Leckerlies dabei!
  • Die gemeinsamen Aktivitäten fördern den Bezug der Hunde zum Menschen. Darauf können und sollen die späteren Adoptanten aufbauen.
  • Für eher vorsichtige, etwas ängstliche Hunde kann das Überqueren des Stegs oder der Wippe eine gewisse Überwindung bedeuten. Wenn sie es dann mit Übung und Ermutigungen schaffen, so stärkt dies ihr Selbstbewusstsein.
  • Hunde, die bis anhin primär in einem Hinterhof oder sogar an der Kette gelebt haben, können beim bewussten Training an den Hindernissen ihr Körpergefühl verbessern.

Ihr seht also, es geht überhaupt nicht darum, möglichst schnell «Sportskanonen» aus unseren Hunden zu machen, es geht um viel mehr und um viel Wichtigeres! 😊  Die Übungen mit den Agility-Geräten sind einfach ein weiteres Puzzle-Steinchen in all unseren Bemühungen, die Hunde bestmöglich auf ihr Leben als Familienhunde in der Schweiz vorzubereiten und ihnen und den künftigen Adoptanten damit den Start ein wenig zu erleichtern.

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